Mrz. 12, 2016

Die Fehler der staatlichen Stromkonzerne

Die Fehler der staatlichen Stromkonzerne

Statt sich für tiefe Strompreise fit zu machen, haben sie Geld verteilt

Von Dominik Feusi

Der Stromkonzern Alpiq wankt. Der fast vollständig dem Staat gehörende Konzern will die Hälfte seiner Wasserkraftwerke an Investoren verscherbeln und die Kernkraftwerke in eine staatliche Auffanggesellschaft auslagern (die BaZ berichtete). Es wäre eine Verlagerung von den Kantonen und Gemeinden an den Bund. Vom Staat zum Staat.

Das Unternehmen steckt in der Krise, weil es mit seinen Kraftwerken keinen Gewinn mehr erwirtschaftet. Der europäische Handelspreis für Strom ist tiefer als die Kosten bei Alpiq. Gleichzeitig hat Alpiq im Unterschied zu beispielsweise den Bernischen Kraftwerken BKW oder den IWB in Basel keine Endkunden, wo sie gemäss der Stromversorgungsverordnung einen Preis erhalten würde, der sich «an den Gestehungskosten» orientiert. Diese Preis-garantie schützt Anbieter wie IWB vor den Problemen wie sie Alpiq oder Axpo haben. Und so lange die Strommarkt­liberalisierung nicht kommt, bleibt diese Regelung voraussichtlich bestehen – zum Leidwesen der Staatskonzerne und der privaten Endkunden, die zu viel bezahlen müssen und den Anbieter nicht auswählen können.

Jetzt fehlt das Geld

Umgekehrt war die Situation vor rund zehn Jahren, als der Strompreis noch deutlich höher lag. Unternehmen mit Endkunden wie die IWB durften den Strom nur zu ihren Gestehungskosten verkaufen, statt zu den höheren Handelspreisen. Die Endkunden profitierten von tiefen Strompreisen. Alpiq und Axpo ohne Endkunden konnten hingegen mit den hohen Preisen viel Geld verdienen. In diesen Jahren mit Milliarden an Gewinnen schütteten sie an ihre staatlichen Eigentümer in Kantonen, Städten und Gemeinden Jahr für Jahr Millionen aus. Das Geld fehlt jetzt, um die Phase mit tiefen Preisen durchzustehen. Gleichzeitig zwangen die staatlichen Eigentümer die Stromkonzerne zu einer Expansionsstrategie. Axpo und Alpiq investierten in Gas- und Kohlekraftwerke in halb Europa, aber auch in Wind und Sonne – gerne in hoch subventionierte Werke. Zu Hause wurden vor allem diese Engagements in Hochglanzbroschüren als zukunftsweisende Entscheide gelobt.

Die Preise auf dem Strommarkt sind zyklisch. Oft bewegen sie sich parallel zu den fossilen Energieträgern, insbesondere dem Öl- und Gaspreis. Öl, Gas, aber auch Kohle sind seit einigen Jahren immer billiger geworden, weil es immer mehr davon gibt – obwohl immer wieder der Rückgang der Erdöl- und Erdgas­reserven und damit verbunden die Verteuerung angekündigt wurde. Hinzu kommt der tiefe Preis von CO₂-Zertifikaten, die eigentlich den Aussstoss von Kohlendioxid verteuern sollten. Und obendrauf kommen seit 15 Jahren die Subventionen auf neue erneuerbare Energien wie Wind, Sonne und Biogas in Deutschland. Mit mehr als zwanzig Milliarden Euro pro Jahr wurde ein zweiter Kraftwerkpark (nach dem bestehenden aus Kohle, Atomkraft und Gas) aufgestellt, der zwar nur bei günstigen Wetterbedingungen Strom liefert, dafür dann aber so viel, dass die Preise ins Negative fallen. Es gibt dann zu viel Strom. Spätestens 2010 hätte man nach übereinstimmenden Meinungen von Experten wissen müssen, wohin sich der Preis bewegt. Gerade Alpiq verfügte über ein Handelszentrum, das die Entwicklungen kurz- und langfristig genau verfolgen und abschätzen konnte.

Was hätte man tun können

Was hätte das Staatsunternehmen Alpiq dann tun können? Übereinstimmend sagen langjährige Beobachter der Strombranche, dass man sich zu stark von den staatlichen Eigentümern die Unternehmenspolitik habe vorschreiben lassen. Statt in der Phase mit hohen Gewinnen hohe Dividenden zu verteilen und im Ausland zu investieren, hätte man im Inland Schulden zurückzahlen und so die Kapitalkosten senken können. Sowohl bei Wasserkraftwerken wie auch Kernkraftwerken machen die Kapitalkosten aus der Bauzeit einen grossen Kostenblock aus.

Bei den AKW ist es anders. Da kommen noch die aus Sicherheitsgründen notwendigen Nachrüstungen und die Stillegungs- und Entsorgungskosten hinzu. Vermutlich ist das auch der Grund, weshalb Alpiq seine Wasserkraftwerke zum Verkauf anbietet und für die Kernkraftwerke an den Bund gelangen will. Die Eigentümer in Kantonen und Gemeinden und der Verwaltungsrat wären dann das Problem los, notfalls finanziell haften zu müssen.